Perspektivwechsel und Neugierde nötig (Bericht vom ersten pastorale!-Tag)

In Magdeburg hat die Fachmesse und Ideenbörse die pastorale! begonnen

Mit einem Auftaktvortrag von Prof. Dr. Eberhard Tiefensee hat in Magdeburg die Fachmesse und Ideenbörse die pastorale! begonnen. Der Religionsphilosoph Tiefensee rief zum Umdenken auf: „Es geht nicht um ein ‚Comeback der Kirche‘, sondern um ‚die Anderen‘.“ Genau einen solchen Perspektivwechsel und die Diskussion über die Rolle der Christen in einem säkularen Umfeld wollen die Initiatoren aus allen fünf ostdeutschen Bistümer mit der pastorale! anstoßen und in rund 100 Workshops, Vorträgen und Diskussionspodien mit 1.300 erwarteten Besuchern erörtern.

Für Tiefensee gehe es um einen Wechsel der Perspektive: „Mission ist Sendung, nicht Magnetismus.“ Die Authentizitätsfrage bei alledem sei: „Würden wir es auch tun, wenn es uns nichts bringt?“ Vor 500 Zuhörern verwies Tiefensee in der Kathedrale Sankt Sebastian auf die Dringlichkeit des kirchlichen Umdenkens: „Wir stehen in einem Umbruch, der mit dem der Reformation vergleichbar ist.“

Tiefensee plädierte für eine „Ökumene der dritten Art“ zwischen Religiösen und Nicht-Religiösen. Dazu gehöre, dass man möglichst viel gemeinsam mache, respektvoll und wertschätzend das eigene Profil aneinander schärfe und niemand versuche, den jeweils Anderen auf die eigene Seite zu ziehen: „Was die Anderen mit unserem Angebot machen, ist ihre Sache.“ Der frühere Erfurter Professor mahnte, Nicht-Religiöse nicht als „mangelhaft und defizient“ zu betrachten: „Sonst kommunizieren wir nicht auf Augenhöhe.“ Wichtig sei eine authentische „Neugier auf den Anderen“, die den Dissens aushalte.

„Auch ohne Gott lässt es sich gut und anständig leben“, so Tiefensee unter Verweis auf diverse Studien: „Es gibt keinen außergewöhnlichen Verfall der Wertvorstellungen im Zusammenhang mit der fortschreitenden Säkularisierung.“ Die Anderen hätten auch ohne Religion eine stabile Feierkultur. Selbst Grenzsituationen wie Krankheit oder Tod seien kein Anlass zur Umkehr: „Not lehrt nur diejenigen beten, die vorher schon beten gelernt haben.“ In Ostdeutschland sind 70 bis 80 Prozent der Bevölkerung religionslos, in Westdeutschland rund 30 Prozent.

Neben den Bistümern gehören auch deren Caritasverbände und Akademien sowie die Wochenzeitung „Tag des Herrn“ zu den Ausrichtern der pastorale! Es handelt sich um die dritte Fachmesse dieser Art. 2006 und 2009 gab bereits solche kirchliche Ideenbörsen im sächsischen Schmochtitz.

Magdeburgs Bischof Dr. Gerhard Feige betonte: „Das ist hier keine Ostalgie-Veranstaltung. Die besonderen Voraussetzungen in Ostdeutschland fordern uns vielmehr heraus, darüber noch einmal intensiver nachzudenken.“ Er erhoffe sich von der pastorale! geistige Impulse, eine Intensivierung des Netzwerks „und auch Aufmerksamkeit anderer Bistümer und Regionen für unsere ostdeutsche Situation“. Er freue sich, dass auch Besucher aus den Bistümern Aachen, Hildesheim und München-Freising den Weg nach Magdeburg gefunden hätten.

Vortrag von Prof. Tiefensee zum Download

Text: Susanne Sperling für bistum-magdeburg.de, Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung. Dieser Text enthält Material der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA).